Visionen für das Augustinusgemeindehaus

Marco Iannelli, Leiter Planung im Architekturbüro Sonnentag und die Verantwortlichen der Kirchengemeinde informieren über den Stand der Planungen zur Sanierung des Augustinusgemeindehauses. Es wurde von Architekt Elsässer gebaut und fertiggestellt 1916 und 1975 von Architekt Rall saniert.

„Wir werden in dieser belastenden Zeit der Pandemie mit diesem Jahrhundertprojekt der Sanierung des Augustinusgemeindehauses hinausgeführt über unsere jetzige Zeit,“ sagt Dekanin Richter. „Es ist ein Hoffnungsprojekt. Die Planungen stärken die Zuversicht, dass die Zeit kommen wird, in der wir in diesem Haus der evangelischen Kirche in Schwäbisch Gmünd uns wieder treffen können in einem weit geöffneten Haus für die Menschen, die Gemeinde und die Öffentlichkeit. Durch die große Fusion zur Evang. Kirchengemeinde Schwäbisch Gmünd brauchen wir unser Gemeindehaus noch viel dringender mit einer zukunftsfähigen Gestaltung und Funktion.“

Der 1. Vorsitzende des Kirchengemeinderats Wolfgang Schmidt betont: „Ich bin sehr froh, dass wir unser Gemeindehaus auf der einen Seite erneuern aber auch als sichtbaren „Elsässer Bau“ in Schwäbisch Gmünd  erhalten können. Das Haus der Kirche wird aber nicht nur für die Evang. Kirchengemeinde Schwäbisch Gmünd verfügbar sein, sondern auch für alle Gemeinden des Kirchenbezirkes Schwäbisch Gmünd. Nach der Sanierung werden wieder das Gemeindebüro, die Kirchenpflege, die Büros des Schuldekans, Diakonie und Jugendwerk einziehen. Ich freue mich, dass wir dann den renovierten, technisch aufbereiteten Saal auch wieder der Öffentlichkeit zur Verfügen stellen können.“

Marco Iannelli vom Architekturbüro Sonnentag: „Es ist uns eine Ehre und verantwortungsvolle Aufgabe, dieses Haus im 21. Jahrhundert zu sanieren und zukunftsfähig für den Bedarf zu gestalten.“ Anhand einer Präsentation zeigt Iannelli die vom Architekturbüro entwickelte und mit Kirchengemeinderat und Oberkirchenrat besprochene Zukunftsvision anhand der wesentlichen Veränderungen auf.
Erneuern und erhalten ist dabei der richtunggebende Maßstab. Die Schwierigkeiten beim jetzigen Bau sind Orientierung, Fluchtwege, Dunkelheit und die Umbau-Narben, die Sonnentag verheilen möchte. Demzufolge verfolge man eine klare Adressbildung beim Haupteingang mit klarer Wegeführung, mehr Belichtung in den dunklen Gängen und eine Priorisierung bei der Barrierefreiheit.

3 Schwerpunkte gibt es dabei:
-    Der Haupteingang mit dem markanten Tor wird weiterund freier durch einen Luftraum nach oben, einen transparenten Lift und freien Blick ins Treppenhaus. Dadurch wird der Eingangsbereich zu einem hellen freundlichen Entree, das gleich bei Betreten Offenheit und Willkommenskultur signalisiert.

-    Willkommensein wird im Foyer noch einmal stark mit theologischer Aussage akzentuiert durch ein seit der Umgestaltung durch Rall „verschollenes“, aber erhaltenes Kunstwerk von Jakob Wilhelm Fehrle. Es stellt das Gleichnis vom „Verlorenen Sohn“ dar, auf dem der lange abwesende Sohn heimkehrt in die geöffneten Arme des Vaters, der für Gott steht. Das Kunstwerk war seit 1975 hinter der Zwischendecke beim Saal verschwunden und ist eine Umbaunarbe. Es ist 4m lang und 2 m hoch und gut erhalten. Diesen Schatz zu heben wird nicht einfach, aber dennoch zu schaffen sein, so Iannelli

-    Das Herzstück des großen Gebäudes, das von außen wie eine Burg wirkt, wird der große Saal bleiben. Er war ursprünglich für gottesdienstliche Zwecke von Elsässer gestaltet worden. Rall schuf eine sinnvolle Fortentwicklung für die Nutzung als Gemeindehaus für unterschiedliche Veranstaltungen. Er ließ die Galerie zubauen, hinter der das Fehrle- Kunstwerk verschwand, dafür erweiterte er den Saal durch einen Vorbau. Iannelli: „Durch den Zubau der Galerie ist der dunkle Gang im 1. Stock entstanden und der Vorbau verhindert den ungehinderten Lichteinfall und macht den Saal dunkler. Wir planen statt des Vorbaus eine gerade Fensterfront von oben bis unten und möchten Fassade und Tragwerk ertüchtigen. Wir möchten als Reminiszenz an Rall dabei die Teilung der Fassade erhalten.“ Der Saal bekomme so Symmetrie und mehr Harmonie, da auch die „Blickfänge“ im Saal samt der damals modernen grünen Farbe reduziert und an die Farbe des im ganzen Saal dominierenden Holzes angeglichen werden sollen. Das Holz soll, sofern keine Schadstoffe auftauchen, erhalten und aufgehellt werden. Draußen vor dem Saal würde durch den Rückbau des Vorbaus eine größere Terrasse mit Innenhofatmosphäre entstehen und bei schönem Wetter zum Aufenthalt draußen einladen.

Kirchenpfleger Eberhard Schmid informiert, dass der Oberkirchenrat die klar als Rahmen fürs Finanzvolumen bei der Sanierung 6 Mio. Euro vorgibt. Das Architekturbüro Sonnentag mache derzeit die Kostenberechnung. Die Landeskirche hat über den Ausgleichstock für diese 6 Mio. eine Förderung von 40% zugesagt. Eine so hohe Förderung ist bislang einmalig in der Landeskirche und zeigt den Stellenwert, den dieses Sanierungsprojekt hat.

Marco Iannelli ergänzt: „Wir sind schon relativ weit, der Bauantrag wird im 2. Quartal 2021 eingereicht, Gespräche mit dem Landesdenkmalamt werden geführt, das Genehmigungsverfahren ist eingeleitet. Wir rechnen mit einer Baugenehmigung im 3.Quartal 2021 und mit Baubeginn Oktober 2021.

Wenn alles gut läuft könnte die Einweihung des sanierten Augustinusgemeindehauses im 2. Quartal 2023 erfolgen.