Donnerstag, 28. Januar

Auch wenn die Nachrichten über die Covid19- Fallzahlen uns derzeit positiv stimmen müssten, so kommt doch nicht wirklich Freude auf. Gefährliche Mutanten, die sich in England, Südafrika und Brasilien mit riesiger Schnelligkeit verbreiten, schlummern wie noch schlafende Ungeheuer auch bei uns. Wir denken an die vielen Toten und Erkrankten in einem Pflegeheim bei uns in Schwäbisch Gmünd. Deren und Ihrer Angehöriger Schicksal und Not bewegt uns und treibt uns um. Viele Menschen leiden unter den Folgendes Lockdowns- psychisch, existentiell. Mit der Impferei geht‘s langsamer voran, als wir uns gewünscht hatten. Und bei uns und weltweit tut sich die Schere zwischen „Gewinnern“ und Verlierern“ weiter auf, immer mehr fühlen sich als „Gestrandete“. Wie geht das noch weiter? Werden wir den langen Atem und die Disziplin haben, die wir brauchen, um durch die Pandemie zu kommen? Und die Bereitschaft, die Lasten zu teilen?
Gleichzeitig leben wir vom Kirchenjahr her in der Epiphaniaszeit, die uns bis zu Lichtmess am 2. Februar an das Licht und den Glanz von Weihnachten erinnert.
Schärfer kann der Kontrast fast nicht sein. Was hat dieses Licht mit dieser Welt zu tun, mit uns in dieser dunkeln Zeit?
Ich fand ein Gedicht „Licht für Gestrandete“, das möchte ich Ihnen heute weitergeben:

© pixabay

LICHT FÜR GESTRANDETE
ans Ufer gespült
nutzlos geworden
liegengeblieben
Strandgut

aus dem Gleichgewicht geraten
den Anschluss verpasst
herrenlos
gestrandet

wenn Licht darauf scheint
fällt es auf
das nutzlos Gewordene
sieht es schön aus
das Liegengebliebene
findet es Liebhaber
das Herrenlose

Licht für Gestrandete
Licht für eine gestrandete Welt

DER ANKER HAFT AUF ERDEN,
DA IST DAS SCHIFF AN LAND.
DAS WORT TUT FLEISCH UNS WEDEN,
DER SOHN IST UNS GESANDT.

an Land gegangen
nicht ans Ufer gespült
nicht gestrandet
sondern fest verankert mit der Erde
ist Gott
ist der Sohn
das fleischgewordene Wort

an Land gegangen
fest verankert mit der Erde
mehr als ein Lichtblick für Gestrandete
mehr als ein Sonnenstrahl auf Strandgut
Hoffnung und Zukunft
für eine gestrandete Welt
                                    (Brigitte Arnold)

Danke, Gott, in Jesus bist du Mensch geworden und unser Bruder. Hast dich verwoben ins Leid und Dunkel auch unsrer Zeit. Hast dein Licht verwoben mit der Erde. Du lässt uns nicht allein. Lass dein Licht helle strahlen über uns, in uns, unter uns. Lass uns einander zu Menschen werden. Lasten einander tragen helfen. Gutes teilen. Scheine uns, Licht der Welt, dass wir dir vertrauen und folgen, bis dein Tag alles Dunkel klärt. Dir sei Ehre in Ewigkeit. Amen.
Bleiben Sie Gott befohlen, dem Licht.

Ihre Dekanin Ursula Richter