Montag, 30. März

Na dann

„Aber, dass Du mir ausgerechnet zurzeit vom Leiterle fällst, muss nicht sein“, hört die betagte Mutter von der Tochter sorgenvoll am Telefon.
Die rüstige Seniorin beschäftigt sich in diesen Tagen meisterhaft. Sie hat unter anderem ihre Vorhänge gewaschen: „Na dann warte ich eben mit dem Aufhängen bis dein Bruder kommt. Der hält mich gut fest.“
Wir haben in diesen Tagen mehr Angst umeinander. Wir mahnen einander, vorsichtig zu sein. Das wird auch noch eine Weile so bleiben müssen. Auch wenn sich manches wieder lockert.
Die Schriftstellerin Astrid Lindgren hat die Angst umeinander aufmerksam eingefangen. Da ist zum Beispiel Ronja, die Räubertochter.
Als ihr Vater merkt, dass sie das Elternhaus verlassen und frei sein möchte, gibt er ihr Ratschläge mit auf den Weg.
„Hüte dich davor, in den Fluss zu plumpsen“. „Und was tu ich dann, wenn ich in den Fluss plumpse?“ fragt Ronja. „Schwimmst“, sagt der Vater. „Na dann“, sagt Ronja.
„Und dann hütest du dich davor, in den Abgrund zu fallen.“ „Und was tu ich, wenn ich in den Abgrund falle? „Dann tust du gar nichts mehr“, sagt der Vater und stößt ein Gebrüll aus, als säße ihm alles Übel der Welt in der Brust.
„Na dann“, sagt Ronja, nachdem er ausgebrüllt hat. „Dann falle ich eben nicht in den Abgrund. Sonst noch was?“ „O ja“, sagt der Vater, „aber das merkst du schon selbst so allmählich. Geh jetzt!“
Gott, sagt Paulus in der Bibel, Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.
„Na dann“, würde Ronja sagen.  

Pfarrerin Maike Ulrich, Pfarramt Brücke, Evangelische Gemeinde Schwäbisch Gmünd

 

 

Ein Gebet